Landeskompetenzzentrum zur Sprachförderung an Kindertagesstätten in Sachsen

Die Fachkräfte im Kindergarten sind ratlos. Der 5-jährige Janik ist ein fröhliches und aufgewecktes Kind. Hat viele Freunde in seiner Kindergartengruppe. Aber sprachlich ist er seinen Altersgenossen hinterher. In anderthalb Jahren soll Janik in die Schule kommen.  Dabei ist seine Aussprache bei vielen Worten noch undeutlich und fehlerhaft. Viele Wörter kennt er nicht, wenn man ihn nach deren Bedeutung fragt. Bei Nachfragen weicht  er aus.

 

„Gute sprachliche Fähigkeiten sind eine wichtige Voraussetzung, um Lesen und Schreiben zu lernen. Aber auch für gute Leistungen in Mathematik und den Sachfächern“, erklärt Professor Christian W. Glück von der Universität Leipzig. „Sprache ist damit zentral für den Bildungserfolg eines Kindes und beeinflusst langfristig seine Teilhabe an der Gesellschaft. „

 

Wegen seiner Ausspracheauffälligkeiten ist Janik seit einem Jahr bei einer Logopädin. Aber eine Stunde in der Woche ist wenig Zeit. Janik geht jeden Tag sechs Stunden in den Kindergarten. Viel Zeit, in der auch die Erzieherinnen fördernd auf seine Sprache einwirken können. Zeit, die auch für Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern oder mit nicht-deutscher Muttersprache für ihre sprachliche Bildung viele Impulse vermitteln kann. Doch das ist leichter gesagt als getan. Denn diese sogenannte „alltagsintegrierte Sprachförderung“ ist anspruchsvoll und setzt einen intensiven Lernprozess auf Seiten der pädagogischen Fachkräfte voraus.

 

Der Freistaat Sachsen hat den Bedarf vieler Kindertageseinrichtungen erkannt, die ihre Sprachfördermaßnahmen verbessern möchten. Gemeinsam mit Professor Glück wurde das Landeskompetenzzentrum „Sprachförderung an Kindertageseinrichtungen in Sachsen“ (LAKOS) am Institut für Sprache und Kommunikation gegründet. Das Zentrum knüpft an die Arbeiten im Landesmodellprojekt „Sprache fördern“ an.

 

In Fortbildungen des Zentrums erfahren die pädagogischen Fachkräfte, dass alltagsintegrierte Sprachförderung im Kindergarten gar nicht aufwändig sein muss. Sie lernen, ein Buch so geschickt vorzulesen und dabei mit den Kindern intensiv über den Inhalt zu sprechen, dass die wertschätzende, unterstützende Haltung der Fachkraft zusammen mit bestimmten Kommunikationsmethoden sprach- und entwicklungsfördernd wirkt. „Der ist nach Haus dedangt“, sagt Janik. „Genau“, bestätigt die Erzieherin, „der Mann ist nach Hause gegangen.“ Sie greift die Aussage des Jungen auf und wiederholt sie in erweiterter und verbesserter Form, ohne seinen Fehler direkt zu erwähnen oder ausdrücklich zu berichtigen.  

 

Neben der Entwicklung und Durchführung von praxisorientierten Fortbildungen hat sich das Landeskompetenzzentrum noch viele weitere Aufgaben gesetzt. Fachtagungen ermöglichen die wissenschaftliche Reflexion der Grundlagen der Sprachförderung und bieten die Möglichkeit – so wie es beim „2. Leipziger Frühjahrssymposium Sprache & Kommunikation“ vor wenigen Wochen gelungen ist - den Stand der Wissenschaft auch für die Praxis verständlich weiterzugeben.

 

Das Zentrum fungiert als Ansprechpartner für Einrichtungen, Träger und Fachberater auch zu Fragen über die bestehenden Sprachförderinitiativen der Bundes- und Landesebene oder von Stiftungen. Das Zentrum initiiert und begleitet Vernetzungen zwischen den verschiedenen Berufsgruppen, die sich um sprachliche Bildung, Förderung und Therapie in Kindergarten und Schule bemühen und unterstützt interdisziplinäre Netzwerke von Kindertages-einrichtungen und anderen pädagogischen und medizinischen Fachdiensten.

 

Mit der Übertragung der Aufgaben des Landeskompetenzzentrums an Professor Glück wird die Nähe zur Universität Leipzig deutlich und das Bestreben des Kultusministeriums in Dresden, die Sprachförderung an sächsischen Kindertageseinrichtungen inhaltlich sinnvoll, praktisch umsetzbar sowie wissenschaftlich fundiert und evaluiert weiterzuentwickeln.

 

In Zukunft haben es die Fachkräfte an Sachsens Kindertagestätten noch leichter zu wissen, an wen sie sich mit konkreten Fragen zur Sprachförderung, auf der Suche nach Fortbildungsmöglichkeiten für ihre MitarbeiterInnen oder bei der Suche nach Informationsmaterial – auch für die Elternberatung - wenden können: an das Landeskompetenzzentrum „Sprachförderung an Kindertageseinrichtungen in Sachsen“ (LAKOS) in Leipzig.

 

Das Landeskompetenzzentrum nahm im Herbst 2013 seine Arbeit auf.

Aktuelles

28.04.2017

Einen Rückblick auf das diesjährige LFS finden Sie hier.

29.04.2016

Das 5. Leipziger Frühjahrssymposium greift  bezogen auf den Bereich der Frühen Bildung die aktuellen Themen "Mehrsprachigkeit" und "Interkulturalität" auf

29.01.2016

Gastvortrag an der Uni Leipzig:

Dr. Anja Theisel

Didaktisch-methodische Kompetenzen für den Unterricht mit sprachbeeinträchtigten Kindern

11:15 Uhr, Campus Jahnallee Haus 2 EG R 60

08.05.2015

Das 4. Leipziger Frühjahrssymposium setzt wichtige Impulse für die Gestaltung von Lern- und Professionalisierungs-prozessen in Sachsen.

27.11.2014

Gastvortrag von Dr. Lisa Schröder: "Sprachkultur in der Kita" - Ein alltagsbasierter und kultursensitiver Sprachbildungsansatz.

15.15 - 16.45 Uhr

 

16.05.2014

Mit mehr als 160 Teilnehmerinnen und Teilnehmern schlägt das 3. Leipziger Frühjahrssymposium die Brücke zwischen Kita und Schule. Zum Rückblick

21.03.2013

Der Lehrbereich "Sprache und Kommunikation" der Universität Leipzig und die INSKOM präsentierten sich auf der therapie Leipzig, einer Fachmesse für Therapie, medizinischer Rehabilitation und Intervention vom 21. bis zum 23. März 2013.

Neu gehört:

Marie (13) erzählt von ihrer Familie: »Meine Oma war Rumänierin.«

Wir sind im Restaurant. Rebecca (4) hat keine Lust mehr und fragt: "Darf ich satt sein?" 

gesammelt von kindermund.de